Billardclub T├╝mmler 1932 Lindenhorst e.V.

Ein Wort zum Regelwerk

Billard ist ein toller Zeitvertreib und kann, ähnlich wie Fußball oder andere populäre Sportarten, als schönste Nebensache der Welt verstanden werden.
Und weil sich die Nebensachen dieser Welt in aller Regel in der Freizeit abspielen nimmt jeder Billardspieler - zu Recht - für sich in Anspruch, dass er in der Gestaltung der Art und Weise der Spielausübung frei von äußeren Einflüssen ist.
Soweit, so gut.

Der Gestaltungsfreiheit werden aber genau in dem Augenblick Grenzen gesetzt, in dem Billard nicht mehr gespielt sondern als Sport betrieben wird.
Hoch lebe der feine Unterschied!
Sofern der Billardspieler also zu einem Billardsportler mutiert und an einem offiziellen Spielbetrieb teilnehmen will, unterwirft er sich dem Regelwerk örtlicher und überörtlicher Verbände.
Diese ermöglichen ihm im Gegenzug einen geordneten Spielbetrieb und haben nicht die Maßregelung der Sportler in ihrem primären Blickfeld, sondern die Schaffung von gleichen Voraussetzungen im Sportbetrieb.
Damit werden die abgelieferten Leistungen der Sportler vergleich- und messbar.
Nur so werden aussagekräftige Tabellen und Ranglisten möglich, durch die der Sportler die Qualität seiner Leistung richtig einordnen kann.

Welche Satzungen, Ordnungen oder Regelungen zu beachten sind, ist eigentlich nicht schwierig festzustellen, wenn man die Organisationsstruktur des Billardsports in Deutschland kennt.
Danach ist jeder Verein einem Regionalverband (z. B. Billardkreis Dortmund - BKDo) angeschlossen 1).
Dieser wiederum ist einem Landesverband (z. B. Billard Verband Westfalen - BVW) untergeordnet, der Mitglied der Deutschen Billard - Union (DBU) ist.
Jeder dieser Verbände regelt den Spiel- und Sportbetrieb für seinen Geltungsbereich.
Eiserne Regel dabei ist: Die Regelungen des übergeordneten Verbandes dürfen durch die Regelungen eines untergeordneten Verbandes nicht verschärft werden.
Daraus folgt, dass der kleinste gemeinsame Nenner in den Regelungen der DBU zu finden ist.
Anders ausgedrückt:
Es gelten die Regelungen des BVW. Sofern sie zu einem Sachverhalt oder Tatbestand keine Aussage machen, gelten die Regelungen der DBU.

Es handelt sich dabei für den Bereich des Karambolbillards um

Für etliche Bestimmungen finden sich Sanktionsvorschriften. Diese greifen im Regelfall nicht von allein, sondern müssen dem Landes- bzw. Kreissportwart durch einen Vermerk im Spielbericht bekanntgegeben werden.

Zugegeben: Das Studium von Rechtsvorschriften ist schwere Kost. Die Kenntnis dieser Vorschriften ist jedoch für jeden Billardsportler wichtig, damit er sich sanktionsfrei verhalten kann.

In der Praxis kommen Verstöße gegen die Vorschriften in folgenden Fällen besonders häufig vor:


Spielkleidung
Das Tragen von Spielkleidung ist in I 1.2 (1) + (4) BVW Sportprogramm - AT geregelt. Danach muss die Spielkleidung während der Teilnahme an einem Turnier

Das Ablegen der Weste (aus welchen Gründen auch immer!) oder Kleidung, die nicht den Vorschriften entspricht sind nicht erlaubt.

Verstöße gegen diese Vorschrift können zu einem Protest des Gegners führen, der - im Spielbericht vermerkt - zu einer Sanktion durch den Landes- bzw. Kreissportwart führen kann.
Als Sanktion sind nach Anl. 1 Nr. 10 der BVW Rechts- und Strafordnung 25,00 € je Tatbestand vorgesehen.


Legitimation2)
Bei Mannschaftswettbewerben hat jede Mannschaft einen Mannschaftspass vorzulegen, der durch die Turnierleitung zu überprüfen ist.
Tritt eine Mannschaft ohne gültigen Mannschaftspass an, so ist sie nach III 3.2 (2) BVW Sportprogramm Karambol nicht spielberechtigt.
Anl. 1 Nr. 7 BVW Rechts- und Strafordnung sieht hierfür 25,00 € je ungültigem Mannschaftspass vor.


Wartezeit
Die Wartezeit vor der ersten Partie beträgt max. 30 Minuten, zwischen den Partien max. 15 Minuten. Das Match gilt für die verspätete Mannschaft als verloren.
Da sie nicht angetreten ist, erfolgt aufgrund IV 4.6 (1) BVW Sportprogramm Karambol eine Bestrafung.
Der Strafenkatalog aus Anl. 1 Nr. 3 BVW Rechts- und Strafordnung sieht für jeden Fall eine Strafe von 100,00 € vor.

Verspätet sich ein Spieler einer Mannschaft um mehr als 15 Minuten zwischen den Partien (das trifft somit nur Spieler der 2. Runde zu), ist die Mannschaft unvollständig angetreten.
Das führt nach Anl. 1 Nr. 4 BVW Rechts- und Strafordnung zu einer Strafe von 25 €.
Geschieht das an einem der letzten 3 Spieltage einer Meisterschaft, erhöht sich die Strafe nach Nr. 5 des Strafenkatalogs auf 100 €.


Einspielzeit
Die Einspielzeit beträgt 5 Minuten. Es sind keine Sanktionsvorschriften vorgesehen. Allerdings muss aus Gründen der sportlichen Fairness auf die Einhaltung der Einspielzeit geachtet werden.


Verhalten
Während der Aufnahme des Gegners haben sich die Sportler an einer vom Gastgeber bestimmten Stelle aufzuhalten (I 1.3 (2) BVW Sportprogrammordnung AT).
Der Fall der Nichtbeachtung dieser Vorschrift durch den Sportler ist in der BVW Sportprogrammordnung nicht geregelt, deshalb greifen hier die Spielregeln Karambol der DBU.
Deren Abschn. III 3.7 (1) sieht vor, dass ein Spieler, der seinen Platz ohne Erlaubnis des Schiedsrichters verlässt, die Partie verliert.


Es gibt noch weitere Vorschriften zu beachten, die Sanktionen nach sich ziehen können.
Die vollständige Aufzählung aller Regelungen und deren Würdigung hinsichtlich der Konsequenzen oder Sanktionen würde jedoch den Rahmen dieser Anmerkungen sprengen.

Manche der genannten Sanktionen greifen erst dann, wenn dem Landes- bzw. Kreissportwart ein Verstoß im Spielbericht gemeldet wird.
Oft ergeben sich daraus keine Maßregelungen.
Man sollte aber nicht überrascht sein, wenn es doch einmal eintritt.


1) Die Organisation des Billardsports in NRW befindet sich z. Zt. in einem Umbruch. Es ist beabsichtigt, die Landesverbände Mittleres Rheinland, Niederrhein und Westfalen zu einem Billardverband Nordrhein-Westfalen zusammen zu fassen. Die Umorganisation ist noch nicht abgeschlossen, jedoch gibt es bereits einen gemeinsamen Spielbetrieb Karambol der Regionalverbände auf Landesebene.

2) Es werden nur die Regelungen für Mannschaftswettbewerbe aufgeführt. Einzelmeisterschaften werden auf Kreisebene noch nicht landesweit sondern vom Regionalverband ausgeführt.